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Teil 5 |
1980
Ein neuer Vorstand mit neuen Ideen regierte den Wiesbadener Reit- und Fahr-Club e.V.: an der Spitze Wilhelm Dyckerhoff und Toni Anspach, dann Wolfgang Volpert, Karl-Siegfried Kecker und als Beisitzer Gerd Gmeiner, Steffi Lange, Dieter Lautner und Horst Merbach. Eine Renaissance in der Turniergeschichte setzte ein. Turnier-Attraktion im Schlosspark im kulinarischen Bereich: erstmals bewirtschafteten junge WRFC-Mitglieder das Clubzelt. 40 Ponyreiter begeisterten in den Pausen das Publikum mit einer Western-Show. Den Großen Preis entschieden Peter Schmitz und Diavolo für sich. Den national ausgeschriebenen Grand Prix gewannen mit Abstand Harry Boldt und Sando Khan. Den Sieg in der Vielseitigkeit Kl. S konnten Herbert Blöcker und Lago Magiore erringen. Das 2. Vielseitigkeitsturnier an der Fasanerie fand trotz widriger Wetterverhältnisse statt. Dass das M-Gelände dem Regen zum Opfer fiel, tat dem „Busch reiterfest" am Samstagabend keinen Abbruch. In der Turniersaison brachten es die Aktiven des Clubs auf 51 Schleifen. Der Mitgliederstand war auf 261 Personen gestiegen.
1981
Favoriten- und Außenseitersiege wechselten sich in Biebrich ab. Überraschender dagegen der Ausgang im Großen Preis: Jürgen Ernst auf Largo gewann. Im Sommer lockte das 3. Vielseitigkeitsturnier 85 Starter an die Fasanerie. Im November veranstaltete der WRFC neben der Hubertusjagd und dem Hubertusball eine „Hippologische Tagung" mit namhaften Referenten. Die erfolgreichsten Reiter des Clubs waren in diesem Jahr Ratf Lange (15 Siege, 84 Plazierungen), Stefanie Hemer (7 Siege), Thomas Schneider (6 Siege).
1982
Ein Pfingstturnier wie immer: ein großes Familienfest. Mit Ulrich Meyer zu Bexten auf Magister bereits der dritte deutsche Sieg im Großen Preis in Folge. Dr. Josef-Neckermann wurde anlässlich seines 70. Geburtstages, nach 30-jähriger Turnierteilnahme, mit der Ehrenmitgliedschaft des Clubs ausgezeichnet. Hubertusjagd und -ball waren wieder große gesellschaftliche Ereignisse, Kristina Volpert und Frank Wille wurden mit goldenen Jagdknöpfen für 15maliges Mitreiten der Hubertusjagd geehrt. Die Seniorenmannschaft des WRFC (Steffi und Rainer Haschke, Rainer Mosch, sowie Wolfgang Volpert) wurde 3. der Hessischen Vielseitigkeitsmeisterschaft, WRFC-Mitglied Stefanie Ermeier 1. bei den Junioren. Reiter und Reiterinnen des WRFC errangen in der Saison 45 Siege und 187 Platzierungen, am erfolgreichsten waren Ralf Lange, Thomas Schneider und Christiane Rasbach.
1983
Neuheit im Dressurprogramm: eine Kür mit Musik, bis heute eine der meistbesuchten und stimmungsvollsten Prüfungen des Pfingstturniers - traditionell am Sonntagabend unter Flutlicht. Das Pfingstturnier war für die deutschen Starter offizielle Sichtung für die Europameisterschaft der Dressurreiter. Des weiteren bestimmten Kuriositäten das Geschehen: wie eine endlose Diskussion um einen Fehler von Norbert Koof, dem amtierenden Weltmeister und Fire am Wassergraben, der keiner gewesen sein sollte. Sieg im Großen Preis für den Österreicher Thomas Frühmann und Bandit. Nach einem Jahr Pause gab es wieder eine Kurz-Military auf der Anlage des Reitstalles Fasanerie. Mehr als 100 Reiter stellten sich ein. Bernd Bosmann auf Paris siegte in der M. Man entschloss sich, das Turnier im 2-Jahres-Rhythmus durchzuführen. Mit 2 Busch-Mannschaften und 2 Einzelreitern präsentierte sich der WRFC bei der Hessischen Meisterschaft in Rauschenberg als einer der stärksten hessischen Buschreitervereine. WRFC II (Rainer Mosch, Stefanie Haschke, Ariane Specht und Rainer Haschke) erreichte wie im Vorjahr den 3. Platz. Hubertusjagd (90 Teilnehmer) und Ball (456 Gäste) beschlossen wiederum das Reiterjahr des WRFC, der inzwischen 320 Mitglieder zählte.
1984
Was lange währt, wird endlich gut! Nach jahrelangen Versuchen war es endlich gelungen, das Sandviereck vor dem Biebricher Schloß wurde genehmigt und fertiggestellt. Alle Dressuren wurden vom Springplatz komplett dorthin verlagert. Sogar Tribünen konnten nun am Dressurplatz entstehen. Willkommene Konsequenz für die Springreiter: mehr Zeit auf dem großen Platz, auch für nationale Springen und solche für Nachwuchspferde. Mit Fernande Senderos auf Massacre siegte im Großen Preis erstmals ein Südamerikaner. Dr. Schulten-Baumer landete im Grand Prix einen Doppelsieg mit Madras und Slibowitz. Die Vielseitigkeit Kl. S wurde auf Wunsch der Schlösserverwaltung (Bäume entlang der Strecke mussten saniert werden) durch eine Jagdpferdeprüfung Kl. M ersetzt. 16 Nationen entsandten ihre Sportler, die sich teilweise für die Olympiade in Los Angeles qualifizieren mussten. 300 ehrenamtliche Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf. 30.000 Zuschauer kamen - trotz Theatrium! Im September veranstaltete der WRFC zur Intensivierung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Wiesbaden und seinen Partnerstädten, an der Fasanerie ein zweitägiges Städtevergleichs-Turnier, zu dem Mannschaften (3 Reiter) aller Partnerstädte zusagten. Der WRFC hatte damit den Grundstein für dieses verbindende Sportereignis gelegt, verbunden mit der Hoffnung, dass alle 2 Jahre diese Turnier-Idee in einer anderen Partnerstadt ihre Fortsetzung finden würde. Die Pferde wurden von Clubmitgliedern zur Verfügung gestellt. Die Amazonen-Mannschaft aus Turnbridge Wells holte den 1. Sieg dieser Turnierserie nach England. Das Club-Mitglied Stefanie Ermeier wurde 1984 nicht nur erfolgreichste Reiterin des Clubs sondern auch erfolgreichste Vielseitigkeitsreiterin Wiesbadens.
1985
180 Reiter aus 15 Nationen waren mit 340 Pferden nach Biebrich gekommen. Holland, Traditionsgegner und -gast der Pfingstturniere, war wieder mal am Zug. Rob Ehrens konnte auf Oscar Drum den Sieg im Großen Preis erkämpfen. Die Dressuren standen erwartungsgemäß im Zeichen der beiden Olympiasieger. Dr. Reiner Klimke gewann mit dem Ausnahmepferd Ahlerich sowohl den Grand Prix als auch den Grand Prix Special vor Lokalmatador und Clubmitglied Herbert Krug mit Muscadeur. In der Kür lag Herbert Krug mit Dukat vorne. Insgesamt 3 Tage grosser internationaler Sport. Das Echo auf die Ausschreibung des 5. Vielseitigkeitsturniers an der Fasanerie war überwältigend. Damit hatte keiner der Macher (Frank Gruber, Wolfgang Volpert, Jürgen Herold, Markus Reil, Klaus Hoffmann, Dieter Lautner, Hans-Jörg Bahr, Peter Hanke, Werner Jahn, Andie Lauffer, Rainer Mosch, Helmut Rau, Uli Back und Gerd Gmeiner) gerechnet. Für die M wurden 62, für die L 82 Pferde genannt. Sieger der „schweren aber fairen" (so Bundestrainer Plewa) Prüfungen: M: Ralf Ehrenbrink mit The Mole, L: Carola Rühlmann mit Andona. Am letzten Wochenende im August fand die 2. Auflage des Städtevergleichsturniers in Turnbridge Wells statt, zu dem 6 aktive WRFCler (Rainer Mosch, Andrea und Christoph Eiser, Uli Back, Dieter Lautner und Gerd Gmeiner) nach England reisten. Die Partnerstadt Genf gewann und lud zum Freundschaftsturnier 1986 nach Belgien ein. 2 Übungsschleppen, 1 Jagdausritt und die Hubertusjagd (90 Teilnehmer) hinter der Taunus-Meute, die in diesem Jahr im Sturzregen versanken, bereicherten wiederum das sportliche Angebot im herbstlichen Wiesbaden. Dafür entschädigte der vom Parforce-Horn Corps festlich untermalte Hubertusball, der auf die Casino-Gesellschaft umgepolt worden war. Die erfolgreichsten Reiterinnen des Vereins waren 1986 Christiane Rasbach und Alexandra Henn mit je 30 Plazierungen.
1986
17 Nationen mit 162 Reitern und 500 Pferden drängten nach Wiesbaden. Als erster Australier entschied Jeff Mac Vean auf Fürst Z den Grossen Preis für sich. Überhaupt standen die deutschen Jumper beim Jubiläumsturnier - 50 Jahre Internationales Wiesbadener Pfingstturnier - im Schatten der ausländischen Konkurrenz. Ausname: Paul Schokkemöhie auf So Long Sieger der kleinen Tour. Dominierend im Dressur-Viereck, Ausscheidung für die Weltmeisterschaft in Canada, das langjährige Dreamteam Dr. Reiner Klimke und Ahlerich. Ein umfangreiches Schauprogramm zum Jubiläum mit Voltigiergruppen, Zuchtpferden aller Rassen, Rennpferden, Vierer- und Zehnerzügen, Pony- und Musikgruppen, begeisterte Tausende, ebenso wie ein buntes abschließendes Feuerwerk, das die herrliche Kulisse des Biebricher Schlosses malerisch zur Geltung kommen ließ.Sieht man aus Anlaß des 50-jährigen Turnierjubiläums einmal hinter die Kulissen dieser für Wiesbaden so glanzvollen Ereignisse, so stellt man fest, dass die Verantwortlichen des WRFC immer große Anstrengungen unternommen haben, um die Veranstaltungen durchzuführen und das Turnier fortbestehen zu lassen. Rechnet man einmal alle 50 Turniere seit 1929 zusammen, so kann man sagen: rund 25.000 Pferde wurden 150.000 mal in verschiedensten Prüfungen gestartet. Um dies zu ermöglichen, brachte der WRFC ca. 25 Mio DM auf. Ca. 10.000 meist frei willige Helfer garantierten für den Ablauf. Hunderttausende von Zuschauern kamen in all den Jahren nach Wiesbaden, um neben den reiterlichen Höhepunkten den Schlosspark, die Stadt und ihre Umgebung zu erleben und zu genießen. Die erfolgreichsten Reiterinnen des Clubs waren 1986 Alexandra Henn (20 Plazierungen) und Antonia von Arnim, D-Kader Vielseitigkeit (14 Plazierungen).
1987
Der Wiesbadener Reit- und Fahr-Club e.V. beteiligte sich im März erstmals mit einem Messestand an der Equitana - Weltmesse des Pferdesports in Essen, um sein Pfingstturnier zu präsentieren. An Pfingsten Super-Besetzung in der Dressur (Sichtung für die Dressur-EM in Goodwood). Dennoch: trotz erlesenen Starterfeldes ein Hauch von Wehmut. Klimkes legendärer Ahlerich, bis Wiesbaden noch auf EM-Kurs, ging nicht klar und startete deshalb nicht mehr im Grand Prix Special. Die Ära des Jahrhundertpferdes neigte sich dem Ende zu. Ann-Kathrin Linsenhoff gewann mit Courage den Grand Prix Special vor Herbert Krug. Beide qualifizierten sich damit für die Europameisterschaft. Helena Weinberg und Just Malone bestätigten ihre Topform und holten sich nach einem atemberaubenden Stechen den Sieg im „Grossen Preis von Wiesbaden". Ein ganz besonderer Leckerbissen wurde von den Gespannfahrern aus Wiesbaden und Umgebung zusammengestellt: ein Schaubild mit 13 verschiedenen Gespannen.
Abschluß der Wiesbadener Jagdsaison - reiterlich und gesellschaftlich - die Hubertusjagd am 7. November im Weilburger Tal, die durcheine neue Schleife noch interessanter gestaltet worden war und der sich ein glanzvoller Abend im Nassauer Hof anschloß. Die erfolgreichsten Aktiven des WRFC waren Hans-Jürgen Kühnle, Alexandra Henn und Dorothee Schneider, Hessische Meisterin der Dressur - Junge Reiter. Am 26. Oktober verstarb der lang jährige Präsident des Wiesbadener Reit- und Fahr-Clubs e.V. - Wilhelm Dyckerhoff. Bei ihm waren Amt und Person dermaßen verschmolzen, dass man im positiven Sinne von einer „Regentschaft" Dyckerhoffs sprechen konnte. In seiner Amtszeit hatte Wilhelm Dyckerhoff die Zügel fest in der Hand, kümmerte sich um alle Belange des Pfingstturniers, auch um das kleinste In seiner Amtszeit war erstklassiger Sport in Biebrich für die Besucher zur Normalität geworden. „Willem" nannten die Mitarbeiter und Ciubfreunde ihren Präsidenten liebe- und zugleich respektvoll. Und dieses „Willem" war keinen Deut weniger wert als das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse oder die Ehrenbürgerschaft der Stadt Wiesbaden, war es doch Ausdruck höchster Wertschätzung für einen, der zwar Präsident ist, aber zugleich schafft wie ein Berserker - für den Erfolg des Internationalen Wiesbadener Pfingstturniers. Sein hohes Engagement als Kommunalpolitiker, Unternehmer und Sportsmann brachte ihm Anerkennung aus allen Kreisen. Sein Amtsnachfolger wurde Karlhanns Henn (1987 - 1989), dem Club bis heute freundschaftlich verbunden.