Teil 1
1927 - 1937

Teil 2
1938 - 1957

Teil 3
1958 - 1969

Teil 4
1970 - 1979

Teil 5
1980 - 1987

Teil 6
1988 - 1996

Teil 7
1997 - 2002

 

1970

Viel Geld und schlechtes Wetter. Alwin Schockemöhle und das Ausnahmepferd Donald Rex beherrschten wieder die Konkurrenz im Großen Preis. Gesamtdotierung des Turniers: stattliche 97.000 DM für 25 Prüfungen. Der Dauerregen verursachte große Schäden am Gelände. Der WRFC richtete 4 (!) Jagden aus. Der Höhepunkt war die Hubertusjagd am 2. November mit 120 Teilnehmern. Der Hubertusball wurde erstmals in das Kurhaus verlegt, da sich der Nassauer Hof in den vergangenen Jahren als zu klein erwiesen hatte. Das Orchester des Hessischen Rundfunks spielte auf.

1971

Ein ganz Großer trug sich erstmals in die Siegerliste des Großen Preises ein: HUGO (Simon) auf Fair Lady. Bis heute hält er dem Schlosspark die Treue! Deutsche Konkurrenz hatte er nicht zu befürchten. Die nationale Reiterelite gewann zur selben Zeit im französischen Fontainbleau den Preis der Nationen. Die Dressur wurde zur ersten Olympia-Qualifikation für deutsche Reiter bestimmt. Die großen Sieger hießen Josef Neckermann und van Eick sowie Liselott Linsenhoff und Piaff. Ein besonderer hippologischer Leckerbissen waren die Gespannprüfungen mit 14 Vierspännern. Fred Freund und Rolf Müller hießen hier die Stars.

Der langjährige, verdiente Vizepräsident des Clubs, K. H. Pabst, weithin als „Reiter-Pabst" bekannt, erhielt zu seinem 75. Geburtstag das
Deutsche Reiterkreuz in Silber.

1972

Wiesbaden mal wieder vorolympisch: die Dressuren sowie die Oneday-Military Kl. S galten für Dressur- und Militaryreiter als erste Vorbereitung auf die Spiele in München. Schon Wochen vor dem Turnier waren Pioniere der Bundeswehr - mit Ausnahmegenehmigung des Bundesverteidigungsministeriums - im Schlosspark tätig, um die Hindernisse aufzubauen. Die Geländeprüfung wurde von dem deutschen Meister Harry Klugmann gewonnen, in der Dressur dominierten Dr. Reiner Klimke auf Mehmed und Liselott Linsenhoff auf Piaff. Kathy Kusner (USA) auf Triple Crown gelang endlich der Sieg im Großen Preis. Zwanzig Viererzüge stellten bei den nationalen Fahrprüfungen ihr Können unter Beweis. 4 Herbstjagden und der traditionelle Hubertusball im Kurhaus beendeten wiederum das Wiesbadener Reiterjahr. Künftig sollte der Hubertusball aus Kostengründen nur noch jedes zweite Jahr stattfinden. Sabine Schell, als eine der erfolgreichsten Reiterinnen des WRFC, lag bei den Amazonen, wie auch im Vorjahr, an der Spitze der Vielseitigkeitsreiter Hessen-Nassau.

1973

Wilhelm Dyckerhoff hielt nach wie vor das Zepter als Präsident des Wiesbadener Reit- und Fahr-Clubs e.V. fest in der Hand. Er erhielt zu seinem 65. Geburtstag aus der Hand von Graf Landsberg-Velen (Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung) in Anerkennung und Würdigung seiner Verdienste um die deutsche Reiterei das Deutsche Reiterkreuz in Gold.

Pfingsten: 25. Nachkriegsturnier im Schlosspark Wiesbaden-Biebrich, Sichtungsturnier für die Dressur- und Pony-Dressur-Europameisterschaft in Aachen. Alle deutschen Olympiateilnehmer waren am Start, keiner der großen Namen aus der Dressurreiterfamilie fehlte, dazu sehr talentierter Nachwuchs, der zu großen Hoffnungen berechtigte.

Liselott Linsenhoff auf Piaff, Karin Schlüter, Dr. Reiner Klimke. Herbert Kuckluck, Isabell Becher Bei den Springreitern war die ausländische Beteiligung nicht so stark. Gerd Wiltfang auf Askan gewann den „Großen Preis von Wiesbaden". Für die Vielseitigkeitsreiter war eine internationale Jagdpferdeprüfung Kl. S ausgeschrieben. Die Gespannprüfungen waren aus Kostengründen gestrichen worden. Höhepunkt und Abschluß der Wiesbadener Reitsaison war einmal mehr die traditionelle Hubertusjagd. Weit mehr als 100 Reiter und Reiterinnen folgten der Taunus-Meute auf der 18 Km langen und mit 21 Hindernissen gespickten Jagdstrecke. Ein rustikaler Jagdabend in der Reithalle Fasanerie ersetzte den Hubertusball.

1974

Über 1.000 Nennungen, darauf hatte sich das Pfingstturnier zuletzt eingependelt. Diesmal zählte man 1.080. Unter den 413 genannten Pferden waren 80 Gespannpferde. Insgesamt waren 23 Prüfungen ausgeschrieben. Den Großen Preis entschieden Arno Neesen (Niederlande) und Jumping Amsterdam für sich. Die Dressuren, nationale Qualifikationen für die Weltmeisterschaft, wurden von Dr. Reiner Klimke und Mehmed dominiert. Zum letzten Mal fand eine Jagdpferdeprüfung Kl. S statt, die von Horst Greshake gewonnen wurde. Sie sollte künftig, auf Druck der Schlösserverwaltung, aus dem Programm gestrichen werden. Die Fahrprüfungen, auf die Rheinwiesen verbannt, entwickelten sich zu einem Duell zwischen Bayern und Hessen, Christ und Freund. Die Hubertusjagd mußte aufgrund schlechter Bodenverhältnisse, zum Schutz von Wald und Wiesen, abgesagt werden. Eine „Gemeinschaftsschleppjagd" mit den Reiterfreunden Dotzheim wurde veranstaltet. Am 31.12.1974 zählte der WRFC 195 Mitglieder.

1975

Sonne, Staub und am Pfingstsonntag das traditionelle Gewitter konnten 26.000 Zuschauer nicht abschrecken. Die damals noch magische Grenze im Preisgeld = 100.000 DM war überschritten. Genau 114.407 DM war die Dotierung. Mit Eddy Macken (Irland) und Boomerang siegte ein Parcours-Star, der auch heute noch zu den gern gesehenen Aktiven zählt. Boomerang war das gewinnreichste Springpferd des Turniers mit DM 3.250. Das gewinnreichste Dressurpferd mit einer Gewinnsumme von DM 2.200 war Josef Neckermanns Sonnyboy. Nach zähen Verhandlungen mit der Schlösserverwaltung konnte man die Jagdpferdeprüfung für die Folgejahre sichern. Der WRFC rief und alle alle kamen; 100 Jagdreiter von Dortmund bis Neckarsulm. Die 17 Km lange Hubertusjagd hinter der Taunus-Meute war wieder ein voller Erfolg.

1976

Mehr als 40.000 Zuschauer gaben sich an 3 Tagen im Schlosspark ein Stelldichein. „Ein Volksfest unter Baumriesen" so der Wiesbadener Kurier. Nicht nur zahlenmäßig waren die ausländischen Equipen aus Europa und Übersee beim Pfingstturnier bestens vertreten, sie triumphierten auch in vielen Prüfungen; wie der zwanzigjährige US-Boy Buddy Brown, der A little Bit förmlich zum GP-Sieg fliegen ließ. Das WRFC-Mitglied Herbert Krug konnte mit Festoe hinter Uwe Schulten-Baumer mit Feudal den zweiten Platz im Grand Prix Spezial belegen. Die Viererzüge trugen die Hessenmeisterschaft aus. Hessenmeister wurde Fred Freund. Nach mehrjähriger Pause wurde am Pfingstsamstag als gesellschaftlicher Höhepunkt wieder eine gemeinsame Musikdampferfahrt der Turnierteilnehmer und aller interessierten Gäste anberaumt, die 600 Teilnehmer anlockte. Erfolgreichster Wiesbadener Turnierreiter der Saison war das 23-jährige

WRFC-Mitglied Rolf-Hasso Günther mit 10 Siegen in Dressuren der Kl. M Kat. A und B und 23 Placierungen in L-, M- und S-Dressuren. Drei Jagdtermine wurden anberaumt, 25. September Jugendjagd mit 76 Teilnehmern, 9. Oktober Schleppjagd mit 55 Teilnehmern, 6. November Hubertusjagd mit 83 Teilnehmern - aufgrund von Wildtollwut ohne Einsatz einer Meute. Glanzvoller Schlusspunkt - der Hubertusball. Es war ein überwältigender Eindruck, wenn man nach einem Begrüßungsschluck im Foyer des Kurhauses den großen Saal betrat: in Kerzenlicht gehüllte, festlich gedeckte Tische, Wände und Empore angestrahlt und verschwenderisch mit Herbstlaub geschmückt (den WRFC-Damen sei Dank!). Jagdhornbläser begrüßten die Gäste mit jagdlichen Signalen. Wen wunderte es, wenn dieses Ereignis inzwischen bis zu 480 Ballgäste anzog.

1977

25 Jahre Turnierplatz im Schlosspark Wiesbaden-Biebrich. Die Vielseitigkeit wurde in Form einer Kurzmilitary wieder ins Programm aufgenommen. Alle Military-Cracks waren am Start. Hendrik Schulze-Siehoff und Sarto waren im Großen Preis siegreich. Der Plan der Schlösserverwaltung, zwei Bachläufe zu kanalisieren, schien zunächst das Aus für die Military zu bedeuten. Ein Kompromiß wurde gefunden: ein Bachlauf wurde kanalisiert, der andere blieb im natürlichen Zustand. Die Dressur stand klar im Zeichen des olympischen Silbermedaillengewinners Harry Boldt, der mit Woyceck nicht nur den Grand Prix sondern auch den Special gewann. Im Jubiläumsjahr - 50 Jahre WRFC - fanden als weitere „Großereignisse" die große Jubiläumsfeier am 5. November in der Reithalle der Fasanerie, sowie die Hubertusjagd (120 „Hubertus-Jünger") und der festliche Hubertusball im Kurhaus statt. Der WRFC erhielt, in Anerkennung seiner Verdienste um die Landeshauptstadt Wiesbaden, die Stadtplakette in Bronze.

1978

Das erste große Clubereignis des Jahres war der 70. Geburtstag des Präsidenten Wilhelm Dyckerhoff. Am 6. Februar überbrachten die aktiven Reiter des WRFC ihrem Jubilar zu Pferde und unter der Vereinsstandarte ihre Glückwünsche. Wilhelm Dyckerhoff wurde zum Ehrenbürger der Stadt Wiesbaden ernannt. Es regnete 4 Wochen vor Pfingsten und es regnete an allen 3 Turniertagen. Aber - Wiesbadens Turnierbesucher sind treu! Gut ausgerüstet mit Schirm und Regenkleidung ließen sie sich „ihr" Turnier nicht nehmen. Das ewig junge Sport-Duell zwischen Holland und Deutschland wurde um eine Episode reicher. Henk Nooren und Gerd Wiltfang hießen die Protagonisten dieser zwei Reiter-Nationen. Holland mit Nooren und Pulco (Sieger des GP) hatte schließlich das bessere Ende für sich.

Harry Boldt und Woyczek waren einmal mehr die Dressur-Stars. Erhebliche witterungsbedingte Schäden im Schlosspark sowie reduzierte Zuschauerzahlen rissen ein großes Loch in die Turnierkasse und ließen Sorgenfalten auf der Stirn der Verantwortlichen entstehen. Die Zuschauerzahlen waren auf Grund des Super-Angebots von Reitsportveranstaltungen im Fernsehen rückläufig. Der Club litt an einer gewissen Schwäche in der Altersstruktur. Eine ganze Anzahl bewährter Mitarbeiter (Fritz Bickel, Karl-Heinz Pabst, Heinz Beckers, Carl Grohe, Paul Reichle, Fritz Beisbarth, Wilhelm Müller - um nur einige zu nennen) waren verstorben und standen nicht mehr zur Verfügung. Pessimisten verbreiteten die Meinung, das Turnier sei nicht zu halten. Gesellschaftliche Höhepunkte des Jahres waren wie immer die Hubertusjagd sowie der Hubertusball. Der WRFC zählte am Jahresende 210 Mitglieder. Es war gelungen, eine ganze Reihe jüngerer Leute, die reitsportlich interessiert oder bereits tätig waren, dazu zu bewegen, dem Club beizutreten und sich in verstärktem Maße zu engagieren und mitzuarbeiten.

1979

Elf Viererzüge kämpften um die hessisch/rheinland-pfälzischen Meisterschaften. Für Zuschauer und Reiter aus zehn Nationen nahm das Pfingstturnier ein mehr feuchtes als fröhliches Ende. Die Siegerehrung zum Großen Preis (Doppelsieg: Captain Con Power, Irland, auf Rock Barron und Gilles Bertran de Ballanda, Frankreich, auf Galoubet) mußte wegen des Dauerregens ins Turnierbüro verlegt werden. George Theodorescu siegte mit Amantiado im Grand Prix. Die „Völkerwanderung" der Buschfans am Samstag (5.000), die erneut Otto Ammermann auf Volturno siegen sehen wollten, war höchst erfreulich. Wiesbaden hatte ein neues Vielseitigkeitsturnier! Vom 3. - 5. August fand das 1. nationale Vielseitigkeitsturnier (Kl. A und L) des WRFC auf der Reitanlage an der Fasanerie statt (Nennungsergebnis 120 Pferde). Siegreich waren Wolfgang Ernst aus Kloppenheim, Wolfgang Mengers aus Ratingen sowie Stefanie Ermeier (WRFC-Mitglied) aus Bierstadt, die auf Molly Mawk erfolgreichste Amazone der Veranstaltung war. Das zünftige „Buschreiterfest" in der Reithalle Fasanerie wurde ein Riesenerfolg. Besonders hochgehalten wurde im WRFC seit Anbeginn dieJagdtraditon. Am 16. September fand eine Fuchsjagd für Mitglieder von der Fasanerie zum Haidekopf, am 14. Oktober die Hubertusjagd durch den Rabengrund statt. Die Hubertusjagd war Abschluß der Saison. Bei richtigem Jagdwetter „Kälte und Nebel" folgten 101 Reiter dem Ruf zur Fasanerie, um hinter der Taunus-Meute eine wunderschöne Jagd zu erleben. Die Aktiven des WRFC errangen in der Turniersaison 74 Plazierungen.

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