Teil 1
1927 - 1937

Teil 2
1938 - 1957

Teil 3
1958 - 1969

Teil 4
1970 - 1979

Teil 5
1980 - 1987

Teil 6
1988 - 1996

Teil 7
1997 - 2002

 

1958

wurde Wiesbaden mit der Durchführung des internationalen offiziellen Dressurturnieres CDIO betraut. Der damalige FEI-Präsident Prinz Bernhard der Niederlande war als Schirmherr anwesend, die Besetzung war so international, dass man fast von einer WM sprechen konnte: Argentinien, Belgien, USA, Schweden, Dänemark, England, Russland usw. Der mit 10.000 DM dotierte Große Preis von Wiesbaden wurde erstmals ausgetragen und von H. G. Winkler auf Halla gewonnen. Die Wiesbadener Pfingstturniere waren mehr als nur Treff der Reitsportelite geworden, mit über 50.000 Besuchern entwickelten sie Volksfestcharakter und in Reiterkreisen galten sie als gesellschaftliches Ereignis erster Güte. Reiter der frühen Jahre schwärmen noch heute vom „Offiziellen Turnierball", der bis 1958 im Kurhaus statt gefunden hatte, von Dampferfahrten mit Tanz auf dem Rhein und Empfängen im Biebricher Schloss.

1959

Erstmals nach der Teilung durften Reiter aus Deutschland/Ost starten. Auch namhafte Reiter, die später als Ausbilder und Trainer Karriere machten, nahmen teil: George Morris, Frank Chapot, de Nemethy und unvergessen, Harry Boldt. Den ,,Grossen Preis von Wiesbaden" konnten Fritz Thiedemann und Finale für sich entscheiden, womit die Stute ihren 100. Sieg feiern konnte.

1960

David Broom, der Wiesbaden bis zur „Pensionierung" im Springsattel als Aktiver erhalten blieb, nannte für die Springprüfungen. Die große Dressurprüfung gewann Josef Neckermann auf Asbach, im ,,Großen Preis von Wiesbaden" siegten W.C. Steinkraus (USA) und Riviera Wonder. Die erfolgreichsten Reiter des WRFC waren in diesem Jahr Dietrich von Hopfgarten, Edelgard und Sabine Schell. Der Club zählte zum Jahresende 236 Mitglieder.

1961

Ein Jubiläumsturnier (25.) ohne Stars aber mit kompakter internationaler Beteiligung: Irland, England, Rumänien, Schweiz, USA, Holland und Belgien. Den ,,Großen Preis von Wiesbaden" konnten Alwin Schockemöhle und Bacchus für sich entscheiden. Als besonderes Schmankerl hatte der WRFC in der Dressur zum ersten Mal eine Dreierklasse ausgeschrieben, die den Namen „Drei-Lilien-Frühlingssymphonie" trug. Ein Rückblick auf die bisher durchgeführten Veranstaltungen zeigte, dass sowohl in der Vor- als auch in der Nachkriegszeit (von 1929 - 1960) fast alle berühmten Reiter und Pferde der Welt in Wiesbaden am Start waren. 7.276 Pferde waren in dieser Zeit gemeldet, 25.000 Nennungen waren abgegeben worden. Der WRFC war stets bestrebt, im Rahmen eines „klassischen Turniers" die ganze Breite des Reit- und Fahrsports zu präsentieren.

Mehr als alle Berichte und Veröffentlichungen dieser Tage sagen die Worte eines treuen Turnierbesuchers, der seit 1949 zu den „Pferdefeiertagen" nach Wiesbaden anreiste: „Wo wird einem das noch geboten? Einer der schönsten Turnierplätze inmitten einer herrlichen Umgebung! Und bei all den Prüfungen eine Ruhe, die nur durch Vogelgezwitscher, Glockengeläute und das Schnauben der Pferde unterbrochen wird. Man glaubt bei den Dressurprüfungen vor dem Schloss in einem Dom zu weilen, so feierlich ist es hier immer."

1962

Ein Turnier mit zehn Nationen und dem gewohnten Programmablauf. Hauke Schmidt holte sich den Sieg im Großen Preis auf Arabella, 16.000 verfolgen atemlos die Prüfung. Die Frankfurter Allgemeine schrieb: „2.500 Menschen verfolgten in den Vormittagsstunden das Einzelreiten der Dressur-Prüfungen. Es gibt keinen zweiten Platz auf der Welt - mit Ausnahme der Olympischen Spiele -, an dem sich nur annähernd eine solche Zuschauerzahl zu Dressurprüfungen einfindet." Eine kleine Sensation, das Richterkollegium hatte Josef Neckermann auf Asbach und Willi Schultheiß auf Doublette zusammen auf den ersten Platz gesetzt. Sehr erfolgreich war die WRFC-Jugend in den Jugendprüfungen: Ulrike Prescher und Claudia Reichstein waren die großen Siegerinnen. Erstmals nach dem Krieg wird der Clubbeitrag erhöht (50,00 DM für das erste, 25,00 DM für das zweite und jedes weitere Familienmitglied). Wiesbaden hatte sich zu einer richtigen „Reiterstadt" gemausert. 150 Reitpferde standen ein, nicht gerechnet die Pferde in der Landwirtschaft und der Polizei-Reiterstaffel; Wiesbadens Reitvereine zählten 1.000 Mitglieder. Unter den 10 erfolgreichsten Wiesbadener Reitern waren in diesem Jahr 7 WRFC-Mitglieder: 1. Dietrich von Hopfgarten, 2. Sabine Schell, 4. Ulrike Prescher, 5. Sybille Schell, 6. Michael Schulze, 8. Edelgard Schell, 10. Kristina Dyckerhoff.

1963

Dass er hoch hinaus wollte und auch konnte, bewies Alwin Schockemöhle: das zweite Stechen im Mächtigkeitsspringen (Mauer 1,90 m) schaffte nur Ferdl. Acht Nationen waren zu Gast. Ein Schlosspark-Stammgast baute die Parcours: Alfons Lütke-Westhues, lange Jahre als Richter aktiv. Im Großen Preis siegten Karl-Heinz Giebmanns und Sandro. Erstmalig in der Geschichte des deutschen Turniersports wurde die Deutsche Meisterschaft der Voltigiergruppen ausgetragen. Eine „Sensation" in der Dressur. Pressesplitter: ....... so kann man die Leistungen von Dr. Reiner Klimke nicht hoch genug bewerten. Der einstige großartige Military-Reiter scheint in der Lage zu sein, die Spitze in der Dressurreiterei zu übernehmen. Auf alle Fälle belegte er in Wiesbaden bei den 2 schwersten Dressurprüfungen jeweils den ersten und zweiten Platz."

Die Jahresbilanz der WRFC-Aktiven war positiv in diesem Jahr. Dietrich von Hopfgarten stieß mit „Püppi" in die deutsche Dressur-Spitzenklasse vor, die Mädchenmannschaft (Sabine und Sybille Schell, Ulrike Prescher und Kristina Dyckerhoff) erritt die Jugendverbandsstandarte Hessen-Nassau und Sabine Schell wurde, wie auch im Vorjahr, Stadt-Jugendmeisterin.

1964

60.000 Zuschauer bevölkerten den Schlosspark. Stefane Angioni (Italien) und Canio entschieden den Grossen Preis für sich. Erstmals waren 2 Reitprüfungen für Jugendliche mit Ponys und Kleinpferden bis 1,48 m Stockmaß vorgesehen. Die siegreiche „Mädchenmannschaft" Mitreißend berichtete der Wiesbadener Kurier dienstags nach Pfingsten: „Wiesbaden, die Stadt der Dressurreiterei!" Nicht aus dem Blickpunkt der Meldeergebnisse für die Dressurprüfungen, sondern der Zuschauerzahlen bei den Prüfungen. An diesen Tagen  gewannen die Prüfungen der oberen Klassen noch an Bedeutung, da in Wiesbaden eine Vorentscheidung für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio fallen sollte. Besonderes Interesse fand dabei der Grand Prix de Dressage, zu dem 14 Teilnehmer ihre Startmeldung abgegeben hatten. Wiesbadener Kurier: „Als am Montag der erste Reiter in das Viereck ritt, war der Platz vor dem Schloß bereits von ca. 4.000 Zuschauern umlagert, die Zeuge des Kampfes um die Fahrkarte nach Tokio werden wollten. Dr. Reiner Klimke erreichte gleich zu Beginn mit Arcadius die gute Gesamtnote von 942 Punkten. Wird diese Punktzahl von einem anderen noch erreicht? Als weitere Anwärter galten Frau Linsenhoff, Harry Boldt und Josef Neckermann. Die Spannung stieg, wenn einer der Teilnehmer auf dem Viereck erschien. Aber keiner erreichte diese Note. Ja, Dr. Klimke erhöhte sie selbst auf 954 mit Dux. Die Spannung steigt ins Unerträgliche, als Josef Neckermann (Ehrenmitglied des WRFC) mit Antoinette in das Viereck ritt. Würde er mit der hübschen Schimmelstute das erreichen, was ihm mitAsbach nicht gelungen war? Schon nach den ersten Lektionen merkte man, dass Josef Neckermann sich was vorgenommen hatte. In einer eleganten Manier stellte er die wie für ihn geschaffene Stute vor, so dass kein Zweifel bestand, dass er das schier Unmögliche wahrmachen würde. Als nach einiger Zeit die Punktzahl bekannt gegeben wurde, kam das erlösende „ah" und das Publikum brach in begeisterten Beifall aus. 975 Punkte für Antoinette und damit die goldene Schleife."

Ein Preisspiegel des Pfingstturniers wies folgende Eintrittspreise aus: Stehplätze 1 bis 2 DM, überdachte Tribünen 6-25 DM, offene Tribünen 2 bis 8 DM.

1965

Bau von Stallungen für 200 Pferde auf dem Turniergelände im Biebricher Schlosspark. 50.000 Pferdefreunde besuchten die Veranstaltung, die in die Turnierfolge Ludwigsburg - Wiesbaden - Hamburg integriert war. Hartwig Steenken und Fairness siegten im Großen Preis.

1966

Immerhin 40.000 DM Preisgeld gab es inzwischen an 4 Turniertagen zu gewinnen. 638 Pferde waren gemeldet. Der Sieg im Großen Preis ging in die USA, an Frank Chapot auf San Lucas. Die Jugendmannschaft des WRFC errang zum 4. Mal die Jugendstandarte für Hessen-Nassau in gleicher Besetzung (Sabine und Sybille Schell, Ulrike Prescher und Kristina Dyckerhoff). Sabine Schell gewann die Deutsche Jugend-Vielseitigkeitsmeisterschaft. Hans-Joachim Schmidt wurde Deutscher Juniorenmeister. 16. Oktober „Tag des Pferdes" - 1 50 Teilnehmer aus allen Wiesbadener Vereinen ritten nach einem Sternritt in die Turnierbahn des Schlossparks ein und gestalteten vor grossem Publikum ein Treffen mit frischen Shownummern zu Ehren des Kameraden Pferd. Nicht zuletzt bereicherte der WRFC auch durch 2 Jagden und den traditionellen Ball im Nassauer Hof das gesellschaftliche Leben in Wiesbaden.

1967

Eine Dame drückte dem 31. Internationalen Wiesbadener Pfingstturnier anlässlich des 40jährigen Bestehens des Wiesbadener Reit- und Fahr-Clubs e.V. den Stempel auf. Die große Siegerin im Schlosspark war die legendäre US-Amazone Kathy Kusner mit ihrem „Gummipferd" Untouchable. Den Großen Preis entschieden jedoch Anton Ebben (Niederlande) und Kairouan für sich. Heinz Beckers, Vorstandsmitglied des WRFC, Feldführer unzähliger Jagden und Mitorganisator vieler großartiger Club-Veranstaltungen vollendet das 65. Lebensjahr.

1968

Zur Schonung der Pferde mit Blick auf Olympia-Strapazen wurde das Turnier, auf drei Tage verkürzt. Wilfried Pabst trat als Turnierleiter die Nachfolge des verstorbenen Kurt Beisbarth an. Die neue Turnierfolge lautete Ludwigsburg - Wiesbaden - Köln. Den Großen Preis holten sich Manfred Kloess und Antea. Der neu gegründete Fachausschuß „Jagd" (unter Führung von K.H. Prescher und H. Merbach) ermöglichte in Zusammenarbeit mit den Zuständigen der Stadt- und Forstverwaltung, dass im Rabengrund eine große Zahl von festen Sprüngen gebaut werden durfte, die das ganze
Jahr über stehen bleiben und auch außerhalb der Jagden zum Training gesprungen werden konnten. Zwei langjährige WRFC- bzw. Vorstandsmitglieder schieden aus dem Vorstand aus: Christa Rospatt, Clubmitglied seit 1929, Vorstandsmitglied seit 1948, Vertreterin der aktiven Reiter, Pressereferentin und Organisatorin vieler Vereinsfeste sowie Carl Grohe, Clubmitglied seit 1935, Vorstandsmitglied seit 1948, Schriftführer, Jagdreiter und aktiver Turniermitarbeiter. Fritz Georg Bickel, Vorstandsmitglied und langjähriger Geschäftsführer des Clubs, seit 1950 Leiter des Turnierbüros verstarb unerwartet im November und hinterließ eine schwer zu schließende Lücke.

Die erfolgreichsten Reiter des Clubs waren 1968 Sabine und Sybille Schell, Angela Gionfriddo und Hans-Joa- chim Schmidt. 3 Herbstjagden (2 im Rabengrund, 1 an der Fischzucht), erstmals eine reine Jugendjagd sowie ein festlicher Hubertusball im Hotel Nassauer Hof beschlossen das Reiterjahr des WRFC.

1969

Trotz Gewittergüssen besuchten 35.000 das 33. Turnier. Fünf Tage Turnier, fünf Tage Solo-Show des Alwin Schockemöhle. Er gewann auf Donald Rex nicht nur den Großen Preis, sondern auch beide Qualifikationen. Die Dressuren dominierten George Theodorescu, Harry Boldt, Dr. Reiner Klimke sowie Kurt Capellmann. Die WRFC-Reiterin Sabine Schell war erfolgreichste Wiesbadener Teilnehmerin. Sie konnte im Vielseitigkeitswettbewerb L/M sowie in der internationalen Jagdpferdeprüfung die gesamte männliche Konkurrenz aus dem Feld schlagen. Im Vergleich der Wiesbadener Vereine waren die Reiter und Reiterinnen des WRFC im Turnierjahr 1969 die Erfolgreichsten.

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